Wofür sind Sie Ihren Mitmenschen dankbar?

Frau Wahle und ich sind uns auf Twitter begegnet.

Frau Wahle ist Biographin, hat den 1. „Deutschen Biographiepreis“ (2008) gewonnen und ist auf die Themen: „Abschied gestalten“ und „Biographien und Chroniken schreiben“ spezialisiert.

Jüngst hat sie unsere Firma Eberle Bau für ihren „Nachfolgeartikel“ auf dem Internetportal Wirtschaft- Südwest.De befragt.

Frau Wahle, was motiviert Sie Menschen auf Ihrem Lebensweg zu begleiten, sei es im Abschied nehmen oder in der Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte?

Die treibenden Kräfte meines Lebens sind die Liebe zum Schreiben und zum Lernen; die nie versiegende Freude Geschichten zu erzählen; der Wunsch, den Menschen mit ihren einzigartigen Wegen auf die Spur zu kommen.

Bestimmte Themen prägen mein Leben. „Krieg und Frieden“, „Liebe und Tod“, „Erfolg und Scheitern“ … um einige zu nennen. Lebensaufgaben, deren Lösung ich in Antworten auf Fragen wie diese –  „Wer bin ich?“, „Woher komme ich?“, „Was sind meine Aufgaben?“,  „Was ist Erfolg?“„Welcher rote Faden zieht sich durch mein Leben?“, „Was verbindet mich mit meinen Vorfahren?“ „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Was ist der Tod“ und „Was kommt danach?“ – finde.  Das Eintauchen in leidvolle Erfahrungen durch den Verlust naher Menschen und meine eigene Todesnähe schenkten mir im Durchschreiten meiner dunkelsten Lebensphase und in der anschließenden Auseinandersetzung viele Antworten auf meine Lebensfragen. Weitere Lösungen bekomme ich durch mein freiberufliches Tun. Vordergründig gebe ich meine Erkenntnisse weiter, stelle meine Kunst meinen Kunden für ihre Themen zur Verfügung. Doch hintergründig lerne ich durch jede einzelne Begegnung etwas dazu. Während unserer Zusammenarbeit unterstütze ich meine Kunden durch mein aktives Zuhören bei sich selbst anzukommen und ihre eigenen Antworten zu finden.  In diesem Zusammenspiel erfüllt sich mein Vision: Lebens – und Unternehmenserinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren und Lebens- und Unternehmensleistungen zu würdigen. Meine persönlichen Erlebnisse ließen in mir den Wunsch keimen, einen der schmerzvollsten Augenblicke unseres Daseins tragbarer zu gestalten; ihn als Chance wahrzunehmen, um: den Geist und die Persönlichkeit eines Menschen ein letztes Mal wachzurufen; Dankbarkeit zu formulieren; Sinn zu erkennen, den Abschied als Chance der Versöhnung anzunehmen und den Tod als Schlussstein des Gebäudes Lebens zu betrachten, der dem Bauwerk seinen Halt gibt.

Der Verlust eines nahe stehenden Menschen erfordert ein hohes Gespür an Wertschätzung und Empathie. Wie setzen Sie das um und wie gehen Sie vor?

Es gibt einen Roman: „Fräulein Smilas Gespür für Schnee.“ Wenn ich mein Wesen beschreiben soll, dann würde ich sagen: „Biographin Irene Wahles Gespür für Menschen.“ Diese Einfühlungsgabe habe ich im Laufe der Jahrzehnte entwickelt. Einerseits durch meine Erfahrungen, die mich heute mit dem Gefühl zurücklassen, fast alles von dem, was mir Menschen erzählen, selbst erlebt zu haben. Andererseits durch sieben Jahre ehrenamtliche Hospizarbeit und meine mittlerweile fast siebenjährige freiberufliche Tätigkeit. Dieses Einfühlungsvermögen, verbunden mit dem Wissen um die eigenen licht- und schattenvollen Seiten; dem Respekt vor jedem gelebten Leben und einer tief empfunden Dankbarkeit für die Fügungen, die mein Schicksal genommen hat, bilden das Fundament meiner Arbeit.
Eine persönliche Abschiedsgestaltung entsteht im Herausspüren der besonderen Geschichte, die in jedem von uns verborgen liegt. Der Maler und Grafiker Paul Klee formulierte es so: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder. Kunst macht sichtbar.“ In diesem Sinne mache ich die inneren Schätze – Erinnerungen und Erfahrungen – in Form von Geschichten seh- und fühlbar. Episoden und Spuren von Menschen, die manchmal nur für Monate, vielleicht sieben Jahren oder mehr als neun Jahrzehnten in unserer Mitte weilten. Mit Hilfe meiner Kunst führe ich den Menschen vor Augen, „das jedes Leben, so kurz oder so lang es währte, ein Ganzes ist“, wie es der Autor und Regisseur Christoph Schlingensief formulierte. Meine biographischen Skizzen geben dem Sterben und dem Tod Bilder, zeichnen Lebenspfade nach und berichten über die Geschenke, die in der Beschäftigung mit den leidvollen Erlebnissen unseres Daseins liegen. Mit Hilfe von Fragen wie dieser: „Wofür sind Sie Ihren Mitmenschen dankbar?“ unterstütze ich Menschen, ihren persönlichen Sinn zu finden. Aus der Lebensgeschichte, der Motivation der Kunden und aus den ersten Inspirationen heraus, entwickelt sich die persönliche Abschiedsfeier mit Ritualen, Raumgestaltung und künstlerischen Einlagen, deren Herzstück die Gedenkrede ist.  Ein weiterer tragender Eckpfeiler ist die Wahl eines besonderen Ortes. Plätze, an denen Kongresse stattfinden, Hochzeiten gefeiert, Konzerte aufgeführt und eben Abschiedsfeiern zelebriert werden dürfen. Das können Hotels, Restaurants, Gutshäuser, Schlösser oder Kirchen sein. Eine weitere Stütze des Abschiedsfestes bildet der Glauben eines Menschen. Um diesem gerecht zu werden, kooperiere ich auf Wunsch mit Priestern und Pastoren.

Welche Art von Menschen nehmen Ihre Dienstleistungen in Anspruch. Was nehmen diese Menschen mit oder wirtschaftlicher ausgedrückt: Welchen Nutzen haben sie?

Meine Kunden sind Menschen, die ihr Leben aus dem Rückblick betrachten wollen; die eine Lebens-Zwischen-Bilanz ziehen wollen; Unternehmer, die über Nachfolge nachdenken wollen oder ein Präsent für ein Firmenjubiläum suchen. Menschen, die sich wünschen bewusst und auf persönliche Weise Abschied zu nehmen.
Über den Nutzen meiner biographischen Dienstleistungen möchte ich gern meine Kunden zu Wort kommen lassen:
Hans Heckmann, ein Berliner Betriebsingenieur und Stadtbeleuchter a.D. meint: „[ …] Selten hat eine Entscheidung einer derartige Gedankenlawine in mir ausgelöst. Längst verdrängte oder vergessene Ereignisse standen vor mir, verdichten sich stetig weiter und führen mir vor Augen, was für ein reiches und erfülltes Leben ich lebe. In meiner Biographie betrachte ich mein Leben, sehe was ich auf den Weg gebracht habe und was sich daraus entwickelt hat. Und wie erstaunlich, was ich, angeregt durch meine Lebenserinnerungen, weiter auf den Weg bringe. Durch das Schreiben meiner Biographie ist mir mein Leben viel Bewusster geworden und ich bin stolz darauf, was ich geleistet habe. Die gewonnenen Einsichten sind wertvoll und nur durch die rückblickende Beschäftigung mit dem eigenen Leben erfahrbar.

(Schauen Sie sich eine Leseprobe an)  [ …]

Der Metall-Art Künstler Udo R., der den Wunsch hatte: “Ich möchte Frieden mit meiner Mutter schließen“, sagt über den Nutzen einer Abschiedsplanung, die von einer Motivation getragen wird: “Sich so zu verabschieden, geht tief rein”, [ … ] “Doch ich bin froh, es genauso gemacht zu haben, wie ich es mir vorgestellt habe. Dieser Ansatz ist ein echter Gewinn. Scheinbar unbequem, weil ich mich den Dingen stellen musste, erfahre ich jetzt zu meiner Erleichterung, dass diese Feier etwas in mir gereinigt hat.”

Heike Marquardt, die sich für ihre Großmutter ein besonderes Fest wünschte, resümiert: „Frau Wahle hat die Gabe, aus dem Abschied nehmen ein heilsames Fest des Scheidens zu zaubern. Sie kleidet das Einmalige in den Menschen in tröstende Worte, bringt sich mit Zeit, Kompetenz und Herzblut ein. Auf diese Weise wird die Abschiedsfeier zu einem Erlebnis, bei der die Liebe und die starke Bindung zum Verstorbenen auf wundersame Weise die ganze Feierlichkeit durchzieht. Hätte meine Oma das erleben können, sie hätte geweint vor Rührung.  Mir gibt das Abschiedsfest für meine Großmutter das Gefühl, das Schönste und Beste für sie  getan zu haben und hilft mir noch nach zwei Jahren meine Trauer zu bewältigen.  Ich weiß Abschied ist in erster Linie Schmerz und es schmerzt noch immer sehr. Aber auch dank Irene Wahle ist Omas letztes Fest zu einem der schönsten Erlebnisse in meinem Leben geworden.“

(Hier ein Video einer persönlichen Abschiedsfeier )

Frau Wahle, ganz herzlichen Dank für Ihre tiefsinnigen und rührigen Gedanken.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

7 Kommentare

  1. Wunderbares Interview mit wunderbaren Antorten. Glückwunsch an Sie alle beide.

    Mit farbenfrohen und :-) Grüßen, Ihr Opti-Maler-Partner,
    Werner Deck

  2. Heike Eberle sagt:

    Lieber Herr Deck,

    vielen lieben Dank!

    Schönes Wochenende wünscht Ihnen
    Heike Eberle

  3. Liebe Frau Eberle,

    vielen Dank an die Fügung, die uns zusammen geführt hat. Danke für die Möglichkeit, in Ihrem Blog aufscheinen zu dürfen und für Ihre kluge Fragen. Selten hat jemand es geschafft, mit Hilfe von 3 Fragen mein Tun zum umreißen.

    Verehrter Herr Deck,
    ganz herzlichen Dank für Ihr Feedback und Ihr Sein.

    Herzliche Grüße an Sie beide und Segen auf Ihren Wegen.
    Biographin Irene Wahle

  4. Volker Geyer sagt:

    Liebe Frau Eberle,
    liebe Frau Wahle,

    Sie beide sind einzigartig. Glückwunsch zu diesem sehr gelungenen Interview. Ich bin froh, Sie in meinen näheren Kontakten zu wissen.

    Weiterhin viel Sonnenschein wünscht Ihnen
    Volker Geyer

  5. Lieber Herr Geyer,
    vielen Dank für Ihre Glückwünsche und die Wertschätzung, die aus Ihren Zeilen spricht. Ich freue mich auch, einen so werterorientierten Menschen wie Sie in meinme Netzwerk zu wissen und darauf, was in unserem Miteinander geschehen will.
    Gute Grüße von der BiographinIW

  6. Heike Eberle sagt:

    Lieber Herr Geyer,
    liebe Frau Wahle,

    ich freue mich auch sehr, Sie alle in meinem Netzwerk zu wissen und ich bin fest davon überzeugt, dass wir in unserer persönlichen Entwicklung immer mehr die Menschen anziehen, die uns gut tun.
    Dieser Artikel zeigt mir wieder, welche Menschen uns gut tun.

    Einen perfekten Neu-Wochenanfang wünscht Ihnen
    Heike Eberle

Hinterlassen Sie einen Kommentar